Für private Spieler sind Gewinne aus Casinospielen, die überwiegend vom Zufall abhängen, in Deutschland grundsätzlich nicht einkommensteuerpflichtig. Das gilt auch, wenn der Gewinn in Kryptowährung ausgezahlt wird. Der Grund ist keine besondere Steuerbefreiung, sondern dass solche Gewinne unter keine der Einkunftsarten des Einkommensteuergesetzes fallen. Steuerlich relevant wird es erst, wenn die gewonnenen Coins später verkauft oder getauscht werden.
Gewinne aus reinen Glücksspielen wie Slots, Roulette oder Würfelspielen sind für Privatspieler nicht steuerbar, unabhängig von der Währung. Eine Ausnahme kann bei Spielen mit erheblichem Geschicklichkeitsanteil wie Poker gelten, wenn jemand nachhaltig und mit Gewinnabsicht spielt. Wer die gewonnenen Coins später verkauft oder tauscht, muss die Regeln für private Veräußerungsgeschäfte nach § 23 EStG beachten; nach mehr als einem Jahr ist ein Verkauf steuerfrei.
Warum sind Glücksspielgewinne in Deutschland nicht steuerpflichtig?
Einkommensteuer fällt nur auf Einkünfte an, die unter eine der sieben Einkunftsarten des § 2 EStG fallen, etwa nichtselbständige Arbeit, Gewerbebetrieb oder sonstige Einkünfte. Ein Gewinn, der überwiegend auf Glück beruht, gehört zu keiner davon. Eine eigene Befreiungsvorschrift für Glücksspielgewinne gibt es nicht und braucht es dafür auch nicht.
Ob in Euro oder in Bitcoin ausgezahlt wird, ändert daran nichts. Entscheidend ist, ob der Gewinn aus einem Spiel stammt, bei dem der Zufall überwiegt.
Wann können Spielgewinne doch steuerpflichtig sein?
Bei Spielen mit erheblichem Geschicklichkeitsanteil kann die Lage anders sein. Der Bundesfinanzhof hat 2015 entschieden (Az. X R 43/12), dass Preisgelder eines Turnierpokerspielers gewerbliche Einkünfte sein können, weil es sich bei den gespielten Pokervarianten nicht um reines Glücksspiel handelte. Maßgeblich waren Nachhaltigkeit und Gewinnabsicht. Für Slots, Roulette, Crash- oder Würfelspiele, deren Ergebnis allein der Zufall bestimmt, lässt sich diese Begründung nicht übertragen.
Spielt es eine Rolle, ob das Casino eine Lizenz hat?
Für die Einkommensteuer ist der Lizenzstatus kein Kriterium; maßgeblich ist, ob Glück oder Geschick überwiegt. Bei einem Anbieter ohne deutsche Erlaubnis gibt es aber ein anderes Risiko: Die Teilnahme ist nach § 285 StGB strafbar, und Gewinne können im Strafverfahren eingezogen werden. Die Einzelheiten behandelt Welche Strafen drohen beim Spielen in einem Krypto-Casino ohne deutsche Lizenz?
Dieser Artikel ersetzt keine Steuerberatung. Bei hohen Gewinnen, regelmäßigem Spiel mit Geschicklichkeitsanteil oder Fragen zum späteren Verkauf der Coins ist eine individuelle Beratung sinnvoll.
Was gilt, wenn die gewonnenen Coins später verkauft werden?
Hier beginnt eine zweite, vom Spiel unabhängige Ebene. Ob die Gutschrift eines Spielgewinns als Anschaffung im Sinne von § 23 EStG gilt, regelt das Gesetz nicht ausdrücklich. Geht man davon aus, beginnt mit der Gutschrift eine Jahresfrist, und der Marktwert zu diesem Zeitpunkt gilt als Anschaffungskosten. Ein Verkauf, ein Tausch in eine andere Kryptowährung oder eine Umwandlung in Euro innerhalb dieses Jahres wäre dann mit dem Kursgewinn steuerpflichtig, sofern die Freigrenze überschritten ist. Nach mehr als einem Jahr ist ein Verkauf in jedem Fall steuerfrei. Die Einzelheiten erklärt Krypto-Casino-Gewinne versteuern — was Spieler in Deutschland wissen müssen.
Häufige Fragen zur Steuerfreiheit von Krypto-Glücksspielgewinnen
Muss ich einen Glücksspielgewinn in der Steuererklärung angeben?
Ein Gewinn aus reinem Glücksspiel muss nicht als Einkunft erklärt werden. Datum, Menge und Marktwert der gewonnenen Coins sollten aber dokumentiert werden, weil sie für einen späteren Verkauf als Anschaffungsdaten gebraucht werden.
Gilt das auch für Sportwetten?
Gewinne aus Sportwetten werden für Privatspieler in der Regel ebenso behandelt. Ob bei sehr regelmäßigem, planvollem Wetten eine gewerbliche Tätigkeit angenommen werden kann, ist eine Einzelfallfrage.
Kann das Finanzamt nach der Herkunft von Geld fragen?
Ja, etwa wenn hohe Beträge auf einem Konto eingehen. Eine Dokumentation der Ein- und Auszahlungen und der Herkunft der Coins hilft, solche Fragen zu beantworten.
Quellen und weiterführende Literatur
- Einkommensteuergesetz, § 2 und § 23 · gesetze-im-internet.de · Einkunftsarten und private Veräußerungsgeschäfte.
- Bundesfinanzhof, Urteil vom 16.09.2015, Az. X R 43/12 · Bericht bei iww.de · Gewerbliche Einkünfte eines Turnierpokerspielers; Abgrenzung zum reinen Glücksspiel.
- Lohnsteuer kompakt — Besteuerung von Lotterien, Glücksspiel und Preisgeldern · lohnsteuer-kompakt.de · Steuerfreiheit von Gewinnen, die überwiegend auf Glück beruhen.